Einfache Verbesserungen, die entweder unter Anwendung traditioneller Qualitäts- bzw. Projektmanagement-Methoden realisierbar sind, benötigen i.d.R. nicht das umfangreiche Six Sigma Instrumentarium. Konnte in der Vergangenheit eine nachhaltige Problemlösung mit diesen Mitteln nicht erreicht werden, bietet sich die klare, analytische Einsatz der Six Sigma Methodik an.

Die Auswahl geeigneter Six Sigma Projekte erfolgt auf der Grundlage bekannter Problembereiche. Die Problembereiche werden identifiziert über erkennbare Qualitätsprobleme - zu hohe Kosten / zu geringe Margen - oder über Defizite in der Kundenzufriedenheit. Diese Projektpotenziale werden anhand von Fragen und Kriterien zu den Rubriken Strategie, Organisation und Prozesse hinsichtlich ihrer Eignung für einen Six Sigma Ansatz bewertet. Wichtig dabei ist, dass nur solche Projekte ausgewählt werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dem dabei angestrebten Erfolg in Richtung Qualitätsverbesserung, Kostensenkung und ggf. auch Umsatzsteigerung führen. Diese Vorgehensweise orientiert sich also an den Defiziten bzw. Schwächen der zu optimierenden Prozesse und berücksichtigt zugleich auch die strategischen Zielsetzungen des Unternehmens sowie die gegebenen organisatorischen Rahmenbedingungen im Unternehmen. Die Eignung einer Problemstellung für den Einsatz von Six Sigma ist dann gegeben, wenn der Prozess sowohl für die Zufriedenheit des Kunden als auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens von hoher Bedeutung ist. Organisationsbezogene Auswahlkriterien bewerten zum einen die im Rahmen von Six Sigma Projekten erforderliche und zu erwartende Unterstützung durch Führungskräfte und Prozesseigner sowie zum anderen die Verfügbarkeit von Personal und Finanz- respektive Sachressourcen für die Durchführung des Projekts. Prozessbezogene Auswahlkriterien beziehen sich insbesondere auf die zu erwartende Projektlaufzeit, die inhaltliche Komplexität der Themenstellung und die Messbarkeit der Prozessparameter und -ergebnisse.

Alle Six Sigma Projekte folgen einem standardisierten Ablauf, der eine Weiterentwicklung des klassischen Deming-Zyklus PDCA (Plan, Do, Check, Act) darstellt. Dieser wird aber durch konsequente, zeitlich verteilte Messphasen (vorher – nachher) ergänzt. Zusätzlich werden für jede Projektphase geeignete Instrumente und Methoden zur Analyse und Verbesserung bereitgestellt. Außerdem erfolgt im Vorfeld und nach Projektabschluss eine vorherige konkrete Abschätzung und eine anschließende definitive Bewertung des erzielten Net Benefits, also der realisierten und liquiditätswirksamen Kostensenkungen sowie Einnahmeerhöhungen. Hinzugekommen ist beim Six Sigma Zyklus im Vergleich zum PDCA Zyklus vor allem aber die Control-Phase, mit der sichergestellt wird, dass das erreichte Niveau an Verbesserungen auf Dauer gehalten wird.

► (siehe Details hierzu in Töpfer, A.: Six Sigma, 4. Aufl., Berlin/ Heidelberg 2007)

Grafik DMAIC-Kreislauf

In den Phasen des Six Sigma Verbesserungszyklus werden folgende 5 Fragen beantwortet:

Define

Was ist das Problem? / Was ist das Ziel?

Measure

Wie lässt sich die Problemstellung objektiv beschreiben?

Analyse

Was sind die wesentlichen Ursachen für das Problem?

Improve

Wie lässt sich das Problem gezielt beseitigen?

Control

Wie wird die Verbesserung nachhaltig umgesetzt?